Das Wohnungsbauprojekt „Katzenheck/op de Wolleken“ sorgt zurzeit für viel Aufregung und Empörung, insbesondere bei Anrainern. Es besteht also Klärungsbedarf und Erklärungsbedarf. Der vorliegende Entwurf vom Büro Dreysse aus Frankfurt über die Gestaltung des 31 Hektar großen Areals, das seit 1978 im Bauperimeter der Gemeinde liegt, bedarf einer nachhaltigen Prüfung mit den dazugehörenden Studien zur Umsetzung, Baudichte und Anordnung der Wohnungen, zur Verkehrsführung und zur Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. Der Entwurf, Ergebnis eines Ideenwettbewerbs zeichnet auf, wie das Areal kohärent als ein Ganzes in den kommenden Jahren und Jahrzehnten erschlossen werden kann.
Die Entwicklung der vergangenen 30 Jahre
Die Gemeinde Niederanven kannte in den 70er, 80er und 90er Jahren einen beachtlichen Aufschwung und Bauboom. Die Bevölkerung ist in der Zeitspanne von 30 Jahren von 2.042 Einwohnern (1971), auf 3.394 (1981), 5037 (1991) auf 5.439 (2001) angestiegen. Parallel zum Bevölkerungswachstum wurden die Infrastrukturen für Schule, Sport, Kultur und Soziales angepasst und ausgebaut.
Heute stellen wir fest:
– dass die Einwohnerzahl der Gemeinde Niederanven seit einem Jahrzehnt bei ungefähr 5.600 Bürgern stagniert
– dass die Überalterung der Bevölkerung zunimmt
– dass die Zahl der Schulkinder in der Gemeinde rückläufig ist
– dass viele junge Menschen, die eigentlich im gesellschaftlichen Leben in Niederanven fest verankert sind, die Gemeinde verlassen, da sie in Niederanven weder ein erschwingliches Bauareal noch eine ihren Bedürfnissen entsprechende Wohnung finden
– dass der großzügig angelegte Bauperimeter aus dem Jahre 1978 noch große Bruttogrundflächen enthält, die nicht erschlossen sind, und die eine Gesamtbevölkerung von 10.000 Einwohnern für die Gemeinde Niederanven zulassen.
Das Wahlprogramm der CSV-Niederanven
In ihrem Wahlprogramm 2005 hat die CSV angekündigt, neuen Wohnraum zu schaffen, was auch im derzeitigen CSV/LSAP-Koalitionsprogramm verankert ist. Die Bebauung von neuem Wonhraum geschieht zurzeit „im Trenker“ in Senningen, „auf der Laangschipp“ auf Senningerberg, „in der Woeldt“ in Ernster. Die Gemeinde selbst baut demnächst vier Häuser an der Ecke „route de Trêves/rue Goesfeld“ in Niederanven, mehrere Wohneinheiten „im Wakelter“ und, zu einem späteren Zeitpunkt, beim früheren Centre Gloden in Hostert. Darüber hinaus hat die CSV in ihrem Wahlprogramm angekündigt, einen „Plan directeur“ für das Areal „Katzenheck/op de Wolleken“ erstellen zu lassen – eine Idee, die bereits auf die CSV/DP-Koalition (2000-2005) zurückgeht.
Gesetzliche Rahmenbedingungen
2009 hat der Gemeinderat einstimmig den „Pacte logement“ angenommen. Dieses Gesetz des Wohnungsbauministeriums aus dem Jahre 2008 soll u.a. dazu führen, über eine höhere Baudichte das Angebot an Bauplätzen und Wohnungen zu erhöhen, um sie dadurch erschwinglicher zu gestalten. Auch sollen mit der hohen Baudichte weniger Flächen verbraucht werden. 101 Gemeinden (von 116) sind bisher dem „Pacte logement“ beigetreten. Hierbei verpflichtet sich die Gemeinde, innerhalb von zehn Jahren die Bevölkerungszahl um mindestens 15 Prozent wachsen zu lassen und eine Baudichte von mindestens 25 Wohneinheiten pro Hektar Bauland zu verwirklichen. Zudem besteht die Auflage, gemäß abgeändertem Gesetz vom 19. Juli 2004 über die kommunale Planung und städtebauliche Entwicklung, bei Siedlungsprojekten mit einer Bruttogrundfläche von mehr als einem Hektar zehn Prozent der dort gebauten Wohnungen oder zehn Prozent der Nettogrundfläche für erschwinglichen Wohnungsbau zu reservieren.
Darüber hinaus sind die Gemeinden ebenfalls angehalten, in den kommunalen Bebauungsplänen die Rahmenbedingungen des Naturschutzgesetzes vom 29. Januar 2004 zu berücksichtigen.
Falls die Gemeinde Niederanven, die zusammen mit 21 anderen Gemeinden als IVL-Gemeinde (Integratives Verkehrs- und Landesentwicklungskonzept Luxemburg) als „vorrangige Gemeinde“ eingestuft ist, diese Bedingungen erfüllen kann, erhält sie Beihilfen vom Staat in der Höhe von 6.750 Euro pro neuen Einwohner. Dieses Geld steht dann zur Verfügung für öffentliche Infrastrukturen.
Der „Plan directeur“ Katzenheck/op de Wolleken
Im aktuellen Bebauungsplan (PAG) der Gemeinde Niederanven aus dem Jahre 1978 sind rund 31 Hektar Bruttogrundfläche vom „Katzenheck“ bis zu den „Wolleken“ im Perimeter eingeschlossen. Die Gemeinde wurde in den vergangenen Jahren von Bauträgern mit Anträgen für kleinere Wohnsiedlungen befasst. Die Probleme, die sich bei solchen „Antennenausbauten“ stellen, sind die Konzeptlosigkeit und der schwierige Ausbau der Infrastrukturen. Es fehlt dann an einer harmonischen und kohärenten Entwicklung.
Aus diesem Grunde hat die Gemeinde beschlossen, einen sogenannten „Plan directeur“ über das ganze Areal zu erstellen. Dieser Leitplan soll ausweisen, wie die Bebauung einmal aussehen kann.
Um dieses Ziel zu erreichen hat der Gemeinderat, mit der finanziellen Unterstützung des Innenministeriums, eine „Consultation rémunérée“, eine Art Ideenwettbewerb, einstimmig angenommen und in die Wege geleitet. Fünf Architektenbüros mit Erfahrung in Urbanismus und Landschaftsgestaltung wurden damit beauftragt.
Auf Anraten des Innen- und des Umweltministeriums ist Im Lastenheft vorgesehen, dass das aktuelle Perimeter um maximal zehn Prozent der gesamten Bruttogrundfläche ausgeweitet werden darf, als Ausgleich für Flächen, die aus ökologischen Gründen (Renaturierung der „Brokelsgriecht“, Erhalt von Streuobstwiesen) innerhalb des aktuellen Bauperimeters nicht bebaut werden dürfen und in eine „Grünzone“ umgewandelt werden.
Die Jury für die Auswahl des besten Projektes setzte sich zusammen aus Experten der Bereiche Urbanismus, Architektur, Natur-und Umweltschutz, Soziologie, Verkehrsplanung sowie dem Schöffen Jean Schiltz (LSAP) und dem damaligen Schöffen Marc Schlammes (CSV), dem Gemeindesekretär und dem für die Baugenehmigungen zuständigen Gemeindetechniker.
Unter den fünf eingereichten „Plans directeurs“ wurde die Vorlage vom Büro Dreysse aus Frankfurt zurückbehalten.
Die Umsetzung des „Plan directeur“
Der „Plan directeur“ ist ein Entwurf, der auf seine Machbarkeit überprüft werden muss, ehe weitere politische Entscheidungen getroffen werden. Die Machbarkeit des Projektes bedarf detaillierter Studien über das Verkehrsaufkommen, das Kanalsystem, die Vermeidung von Überschwemmungen, die Trinkwasserversorgung, Baugrundgutachten zur Geländemodellierung usw.
Auch das Umlegeverfahren („ Remembrement“) benötigt einen erheblichen Zeitaufwand.
Zurzeit ist es unmöglich, einen genauen Zeitplan über die Machbarkeitsstudien und das Umlegeverfahren aufzustellen.
Die Gemeinde hat sich bereit erklärt, Bruttogrundflächen, die im aktuellen Bauperimeter aus dem Jahre 1978 liegen, zu einem annehmbaren Preis aufzukaufen. Darüber hinaus bedarf der Entwurf einer Überarbeitung hinsichtlich der Anordnung der Wohnräume und der Baudichte.
Das Projekt „Katzenheck/op de Wolleken“ ist ein komplexes und schwieriges Dossier, das ein hohes Sachverständnis und viel Fingerspitzengefühl verlangt. In einer Versammlung am 26. Oktober 2010 wurde das Projekt den Eigentümern, Anrainern und Bürgern dargelegt. In den zurückliegenden Wochen gingen mündliche und schriftliche Stellungnahmen in der Gemeinde ein.
Die CSV-Niederanven versteht die Sorgen, Ängste und Erwartungen der Bürger und nimmt jede konstruktive und sachlich fundierte Stellungnahme ernst. Das geplante Projekt soll sowohl den Interessen der Einwohner von heute und der Einwohner von morgen Rechnung tragen, um somit ein harmonisches und kohärentes Zusammenleben in der Gemeinde zu gewährleisten.
Darüber hinaus sind sich alle im Schöffen- und Gemeinderat vertretenen Parteien einig, im Dialog und in Zusammenarbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde ein annehmbares, zufriedenstellendes und sozial verträgliches Projekt zu verwirklichen.
Die CSV- Fraktion im Gemeinderat:
Raymond Weydert
Bürgermeister
Pol Greis
Schöffe
Marc Schlammes
Danielle Wagener-Hippert
Rose Scharfe-Hansen
Ratsmitglieder